Archiv für September 2007

„UNBREAKABLE“ IS BROKEN!

So schnell kanns gehen…
Seit heute morgen gibt es den Naziladen „Unbreakable“-Streetwear in der Bürgerweide nicht mehr.
Laut Indy wurde der Laden heute zwangsgeräumt. Allerdings war im Laden wohl nix mehr – Volker Fuchs (ex. Besitzer) hatte wohl am Abend vorher schon alle Habseligkeiten zusammengepackt.
Einmal mehr können wir also mit unverhohlener Schadensfreude feststellen, dass sich direkter Antifaschismus lohnt!
Gerüchten zu folge, möchte Fuchs demnächst in Barmbek eine Kneipe aufmachen. Ob er damit genauso viel Spass haben wird wie mit seinen Versuchen einen rechten Klamottenladen in Hamburg zu betreiben, bleibt abzuwarten.

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Als eine Art Nachruf haben hier für Euch nochmal die schönsten Bilder gepostet:

LIKE EVERY MONTH: ANTIFA CAFE AM 5.10

Am 05.10. lädt die Crew des AntifaCafe erneut in die Hafenvokü ein.
Ab 19h wird die Veranstaltung über Nazistrukturen in Mecklenburg-Vorpommern, mit Schwerpunkt auf den Naziladen “East Cost Corner” in Rostock, starten.
Neben der immer wieder begeisternden Cocktailbar, gibt es als kulinarisches Highlight veg. Döner.
Für das richtige musikalische Ambiente sorgen DJ Sansa und DJane I Pod.
See you on the barricades oder aber am Hafen…

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THE CORE: DEFINITIONSMACHT & PARTEILICHKEIT

Zum aktuellen Umgang mit einem Vergewaltiger

Mit diesem Text wollen wir, mehrere Hamburger Gruppen und Projekte, erläutern warum wir im Mai 2007 an einige Zusammenhänge (das Kollektiv vom Fischkopp-Plattenladen sowie das Onkel-Otto-Kollektiv) herangetreten sind und sie aufgefordert haben, ihre aktive Unterstützung eines Vergewaltigers (T) zu beenden und sich von ihm zu distanzieren. Die hiermit verbundene Veröffentlichung der Vergewaltigungen (in Absprache mit der betroffenen Frau) wurde unausweichlich, weil sich die Situation inzwischen so zugespitzt hat, dass es notwendig wurde, Druck auf T. auszuüben und öffentlich Unterstützung für die Betroffene einzufordern.

Wir verfolgen also einerseits ein ganz konkretes Ziel: die Unterstützung der betroffenen Frau (X), die seit inzwischen 10 Jahren immer wieder durch T. und Teile seines Umfeldes unter Druck gesetzt wird und deren Räume dadurch massiv eingegrenzt und beschnitten werden. Von der Eskalation sind auch ihre Unterstützer_innen und Freund_innen betroffen.
Andererseits wurde uns in dieser Situation wieder einmal vor Augen geführt, dass es dringend nötig ist, sich innerhalb der Szene an Standards im Umgang mit Vergewaltigungsvorwürfen und Vergewaltigern zu erinnern und diese Standards zu verteidigen. Unsere politische Folgerung daraus ist die konsequente Parteilichkeit mit der betroffenen Frau. Das bedeutet in diesem Fall praktisch, eine im letzten Jahr erneut eskalierte Situation zu beenden und einen Rahmen zu schaffen, in dem X nicht mehr ständig mit Einschränkungen, Anfeindungen und Infragestellungen ihrer Person konfrontiert wird.

  • „Vergewaltigung HAHAHA“…
  • …. wurde im Jahr 2001 als riesiger Schriftzug an die Hauswand der betroffenen Frau gesprüht. Dies ist ein Beispiel aus einer ganzen Reihe von Vorfällen, die sich im Nachgang des von ihr erhobenen Vergewaltigungsvorwurfes gegenüber T. ereignet haben, mit dem Ziel, ihre Glaubwürdigkeit infrage zu stellen.
    Die Vergewaltigungen ereigneten sich innerhalb einer Beziehung im Jahr 1997. X hatte damals darauf verzichtet, diese Vergewaltigungen öffentlich zu machen da sie T. die Möglichkeit geben wollte, sich ohne Stigmatisierungen mit seiner Tat auseinander zu setzen. Außerdem wollte sie für sich die unerträgliche Situation vermeiden, die in der Regel auf die Veröffentlichung des Vorwurfes von Vergewaltigungen folgt. Es zeigte sich aber in den folgenden Jahren, dass T. seinerseits die Geschichte kontinuierlich verbreitete sowie in seinem Sinne verdrehte und instrumentalisierte. Er und Teile seines Umfelds haben Gewalt auf zahlreichen Ebenen ausgeübt: von gezielter Diffamierung und Diskreditierung von X über massiven Psychoterror gegen sie und ihre Freund_innen und Unterstützer_innen bis zu körperlicher Gewalt.

    Aus der Perspektive der politischen Unterstützung halten wir die chronologische Darstellung eines mittlerweile zehn Jahre andauernden Konfliktes weder für möglich noch für sinnvoll. Uns geht es nicht darum, sämtliche Ereignisse der letzten 10 Jahre zu diskutieren und den Umgang mit den Vergewaltigungen zum Gegenstand von Szenetratsch zu machen. Dieser bereits stattfindende Szenetratsch trägt zu einer Entpolitisierung des Konfliktes bei, die wir unbedingt vermeiden wollen. In ihrer Summe lassen die konkreten Vorfälle eine bestimmte Struktur im Verhalten T.s und Teilen seines Umfeldes erkennen, die symptomatisch für den Umgang mit Vergewaltigungsvorwürfen sind:
    Die ständige Thematisierung des Vergewaltigungsvorwurfes durch T. inklusive der Nennung des Namens der Betroffenen und Umdeutung des Vorwurfes zu einem Privatkonflikt.
    Daraus resultierend die Infragestellung der Glaubwürdigkeit von X. und der damit verbundene permanente Legitimationszwang.
    Der Versuch T.s, sich selbst zum Opfer einer Intrige zu stilisieren und die Verweigerung einer Auseinandersetzung mit seinen Handlungen.
    Die aktive Unterstützung T.s durch Teile seines Umfelds, die sich in Provokationen, Drohungen, Beleidigungen und tätliche Übergriffe gegen X und ihren Freundeskreis manifestiert.
    Die passive Unterstützung T.s durch Nicht-Positionierung, unkommentiertes Dulden und Versuche, „sich rauszuhalten“.

    Der ganz normale alltägliche Wahnsinn…
    Der oben bezeichnete Vorfall ist leider keine Aus­nahme, sondern spiegelt alltägliche Strukturen des sexistischen „Normalzustandes”, auch in der Szene, wider. Zurzeit haben wir den Eindruck, vor allem im Umgang mit Sexismus einen Rollback zu erleben. Möglicherweise ist das Bewusstsein, dass sich patriarchale und frauenfeindliche Strukturen auch im Privaten niederschlagen, dass eben das Private poli­tisch ist, geschwunden. Diese Einsicht macht es notwendig, sich nicht nur theoretisch mit Feminismus und Sexismus zu beschäftigen, sondern sich auch mit dem eigenen Verhalten auseinander zu setzen. Damit ist aber oft die Einsicht verbunden, sich selbst auch sexistisch zu verhalten oder verhalten zu haben, ebenso wie eigene Privilegien entlang der Geschlechterrollen einzusehen und aufzugeben. Generell gilt dies natürlich für Frauen und Männer1, im Bereich sexualisierter Gewalt sind die Täter jedoch fast immer männlich.
    Zu den üblichen Schablonen gehört, sexualisierte Gewalt konstant zu leugnen und von sich selbst und vom eigenen, direkten Umfeld weg zuschieben oder zu bagatellisieren. Ermöglicht wird dies durch die klassischen Bilder und Vorstellungen – bzw. durch „Vergewaltigungsmythen“, welche ein Bild vom Täter als abnormal, gestört oder krank zeichnen. Ein zent­rales Moment ist hierbei die Vorstellung eines sexu­ellen Triebes, der durch die Frau provoziert würde und der vom Täter nicht zu kontrollieren sei. Damit einher gehen regelmäßig Assoziationen, die den Täter mit der Ausübung roher körperlicher Gewalt in Verbindung bringen, so dass dieser von vorneherein als Psychopath oder zumindest stumpfer Macker er­kennbar sei. Sie vermitteln damit ein Täterbild, welches nur auf die wenigsten Vergewaltiger über­haupt zutrifft. Dass auch der „sympathische“ oder einfach nur „nett, harmlos und süß wirkende” Typ, Verwandte, Bekannte oder Freund genau so verge­waltigen kann, wird ebenso ausgeblendet wie die unendlich vielen Ebenen struktureller und psychischer Gewalt, die sexualisierte Gewalt überhaupt erst möglich machen. Zu dem trägt diese reduzierte Wahrnehmung von Vergewaltigungen zur Machtausübung über Frauen und Mädchen bei, indem Angst geschürt wird, alleine auszugehen, sich so oder so zu kleiden und in dem Frauen allgemein als „zu Beschützende” angesehen werden.

    In der Praxis bedeutet dies, dass allein die oben beschriebene reduzierte Wahrnehmung von Verge­waltigung in den Köpfen vieler bestimmt, ob etwas überhaupt als Vergewaltigung anerkannt wird oder nicht. Solange gewisse Muster oder Erwartungen in diesem Denken nicht erfüllt sind, „hat eben auch keine Vergewaltigung stattgefunden“. Faktisch wird damit ein Großteil sexualisierter Gewalt ausgeklam­mert, denn der größte Teil sexueller Übergriffe findet nicht nachts im Dunkeln auf einer einsamen Straße statt, sonder innerhalb von Beziehungen, Familien und Freundeskreisen und damit in einem Rahmen, wo Vertrauens- oder Abhängigkeitsverhältnisse be­stehen, die der Täter ausnutzen kann. Oft ist es gerade die vertraute Nähe, in der sich Täter sicher fühlen.
    Gewalt und Macht bedürfen nicht immer, vor allem innerhalb bestehender Beziehungen, physischer Gewaltanwendung, sondern funktionieren ebenso gut als emotionaler Druck und Bedrohung, oder in Ausnutzung persönlicher und emotionaler Abhängig­keiten. Dazu kommt, dass die beschriebenen Vergewaltigungsmythen auch in der Vorstellung der Betroffenen existieren, wodurch diese sich oft selbst die Schuld zuweisen oder Vergewaltigungen über­haupt erst gar nicht oder viel später als solche erkennen. So ist es auch nicht leicht, sich einzugestehen, dass der Vater, der beste Freund, die eigene Beziehung Täter ist und entsprechende Konsequenzen folgen müssten.
    Mythen und Legenden
    Aber gerade diese Gewalt wird von den Vergewalti­gungs- und Tätermythen nicht nur gar nicht erfasst, sondern durch ihre Verleugnung aktiv ermöglicht. Diese Mythen sind der Hintergrund, vor dem Verge­waltigungen begangen werden können, ohne dass diese als sexualisierte Gewalt eingeordnet oder benannt werden. So ist z.B. auch die Möglichkeit, staatliche Rechtshilfe zu bekommen, von einer „beweisbaren” Vergewaltigung (z.B. durch ärztlich bestätigte Verletzungen) abhängig. Dass sich in der Szene genau in solchen Fällen der eigenen Verant­wortung entzogen wird, und der sonst immer abgelehnte Weg zu den Bullen vorgeschlagen wird, spricht für sich.
    Die Reduzierung auf die hier skizzierten Mythen hat einerseits zur Folge, dass sich vom Punk bis zur Bildzeitungsleser_in zwar alle darin einig sind, dass Vergewaltigungen etwas abscheuliches sind – aber zum anderen garantiert es, dass alle anderen Möglichkeiten sexualisierter Gewalt sich innerhalb eines „Normalitätsrahmens“ abspielen, der keinerlei Skandalisierung erfährt und damit unbenannt und unthematisiert bleiben. Das macht es Betroffenen enorm schwer, sexualisierte Gewalt als solche zu benennen und offen zu thematisieren. Zusätzlich sind es dann auch die Täter selbst, wie auch im Fall von T. und seinem Umfeld, welche Verge­waltigungsmythen aktiv benutzen, um die Glaubwür­digkeit der Betroffenen zu untergraben.
    Abweichungen vom reduzierten Vergewaltigungs­begriff werden häufig genutzt, um der Betroffenen eine Mitschuld für das Geschehene anzulasten. Schließlich habe sie sich selbst in die Situation ge­bracht, sei nicht vorsichtig genug gewesen oder habe ihr „Nein!“ nicht deutlich genug gemacht. Die Erfahrung von sexualisierter Gewalt, Ohnmacht und Demütigung wird für die Betroffene so zusätzlich oft noch begleitet durch Gefühle wie Scham und Schuld. Diese werden vom Täter und seinem Umfeld in vielen Fällen sehr gezielt provoziert, um die Betroffene einzuschüchtern und ihr die Thematisie­rung ihrer Situation so schwer wie möglich zu machen. Diese Unterstellung einer Teil- oder Mit­schuld stellt eine Variante dar, eine Vergewaltigung auf einen persönlichen Konflikt zu reduzieren und zu individualisieren. Im Gegenzug wird der Täter von seiner Verantwortung entlastet. Daher soll hier noch einmal klargestellt werden: Es gibt keinerlei Recht­fertigungen für die Ausübung sexualisierter Gewalt und es gibt auch kein Verhalten betroffener Personen, das in letzter Konsequenz eine Vergewal­tigung ausschließen könnte.
    Für die Betroffene bedeutet es in dem hier kritisierten Klima ein ungeheures Stigma, sich selbst als Opfer sexualisierter Gewalt zu bezeichnen. Aber das richtige Spießrutenlaufen beginnt oft erst, wenn die betroffene Person sich entschließt, offen über das Erlebte zu sprechen. Neben der Belastung, immer wieder über traumatische Verletzungen und Abläufe sprechen und sich erklären zu müssen, kommen noch die katastrophalen Reaktionen der Umfelder hinzu, die der Betroffenen nicht glauben, sie nicht ernst nehmen oder „hieb und stichfeste“ Informationen mit Beweischarakter einfordern. Diese Forderungen nach Details, die „objektive“ Kriterien der Definition einer Vergewaltigung erfüllen sollen, stärken generell die Perspektive der Täter, da sich eine Vergewaltigung oft überhaupt nicht beweisen lässt, während die Perspektive und Wahrnehmung der Betroffenen negiert wird. Die erlebten Demüti­gungen und Grenzüberschreitungen werden so nicht selten als persönliche „Macke“, als persönliches Problem der Betroffenen hingestellt. Auf diese Weise wird ihre Zurechnungsfähigkeit kontinuierlich in Frage gestellt. Zusätzlich wird hierbei das Rumer­zählen der „Täterversion” der Geschichte instrumentalisiert, um durch die fortwährende Wiederholung der Demütigung die Frau mundtot zu machen. Dieses verbreitete Agieren und Argumentieren im Sinne des Täters ist die klare Posi­tionierung, die Täterinteressen über die der betroffenen Person zu stellen und damit ein Gewalt­verhältnis konsequent weiterzuführen, welches bereits die Vergewaltigung ermöglicht hat.
    Definitionsmacht
    Klar geworden sein sollte, dass das Einfordern objektiver Kriterien am eigentlichen Punkt vorbei­geht, und das statt dessen die Grenzen der Betroffenen ausschlaggebend sind. Das beschreibt das Konzept der Definitionsmacht, das der Betroffe­nen ihren Subjektstatus, der durch die Grenzverletzung der sexualisierten Gewalt in Frage gestellt wurde, zumindest teilweise zurückzugeben versucht. Es soll ein Rahmen bieten, in dem über den Vorfall überhaupt gesprochen werden kann und die Wünsche der Betroffenen beachtet und umge­setzt werden. Dieses Konzept definiert als Vergewal­tigung, was als solche empfunden wird. Sexualisierte Gewalt fängt da an, wo kein aktiver, beidseitiger Wille vorhanden ist und Grenzen verletzt werden. Ein Nein gilt immer und zu jeder Zeit, egal wie es geäußert wird!
    Der häufig und auch in diesem Fall gebrachte Ein­wand, die Definitionsmacht könne missbraucht werden, um persönliche Rache auszuüben oder um sich zu profilieren, ist absurd. Die Folgen einer Ver­öffentlichung sind für die Betroffene in der Regel mehr als schwerwiegend, sie reichen vom Vorwurf der „Szene-Spaltung“ über Einschüchterungsversu­che bis zur kontinuierlichen Konfrontation mit der erlebten Gewalt und dem da­durch erzwungenen Rückzug aus Zusammenhän­gen. In einer solchen Situation zu überleben und sich in den vertrauten Räumen zu behaupten, erfordert einen ungeheuren Kraftakt, der sich oft nur mit erheblicher solidarischer Unterstützung bewerkstelligen lässt. Allerdings wird diese Partei­lichkeit nur den wenigsten Betroffenen auf breiter Ebene entgegengebracht.
    Eine neutrale Position innerhalb einer solchen Diskussion kann es somit nicht geben, da nur eine aktive Solidarisierung und Parteilichkeit mit der Be­troffenen den herrschenden Normalzustand auf­bricht, in dem ansonsten die Interessen des Täters gedeckt und gestärkt werden. Der Versuch einer „Nichtpositionierung“ erfolgt oft über die Ausrede, „gar nicht zu wissen, was wirklich passiert ist”, „eigentlich beide zu mögen”, sich raushalten zu wollen und „eigentlich gar nichts damit zu tun zu haben”. Eine Szenespaltung ist nur dadurch denk­bar, dass sich Leute implizit oder explizit auf die Seite des Täters stellen.
    Im Falle des Vergewaltigers T. in Hamburg zählt gerade das systematische Herumerzählen „seiner Geschichte“ und die offene Nennung des Namens der betroffenen Frau zu dem Versuch, deren Räume gezielt zu zerstören. Die Absicht dabei ist völlig klar: Einerseits zwingt er die Betroffene immer wieder sich rechtfertigen zu müssen und kalkuliert hierbei, dass sie diese Demütigungen irgendwann nicht mehr er­trägt – zum anderen verbreitet er unermüdlich die klassische Verteidigungsversion eines Vergewalti­gers, der zwar einsieht, dass er Mist gebaut hat, aber dass eben auch die Frau nicht ganz normal sei und ihm somit nur eine begrenzte Schuld anzurechnen sei. Was unterm Strich bleibt, ist die Unzurech­nungsfähigkeit und Mitschuld der Frau, da er seine Schuld mit seinem Eingeständnis quasi abgearbeitet hat… Auch dies ist kein Einzelfall, sondern der allgemein übliche „Klassiker“, wie die betroffene Frau gezielt diffamiert und damit ihr Überleben in densel­ben Räumen wie denen des Täters unmöglich gemacht wird. Dies beruht vor allen Dingen auf der Tatsache, dass es dem Täter wesentlich leichter gemacht wird, öffentlich herum zu erzählen, dass er unschuldig ist, während für die Frau die Thematisie­rung ihrer Verletzungen eine dauernde Retraumatisierung bedeutet, die ein ständiges Wie­dererleben des ihr Angetanen verursacht. Auf genau diesen Punkt spekulieren aber viele Täter ganz gezielt, um ihre Opfer zum Schweigen zu bringen. Das Muster, die betroffene Frau mit ihrem eigenen Gefühl der Demütigung, der Verletzung und Erniedrigung zu bekämpfen, bleibt bei den meisten Tätern immer gleich und wird durch die Reaktionen der Umfelder meist unterstützt.
    Vor diesem Hintergrund zeigt sich, welche immense Bedeutung dem Grundprinzip der Definitionsmacht zukommt, die es Betroffenen ermöglichen soll, Gewalterfahrungen zu benennen und zu bekämpfen. Dabei geht es nicht um die Anwendung eines „Straf­systems“ gegen Täter, sondern um den Schutz der betroffenen Person vor weiteren Angriffen und Erniedrigungen. Durch die Anerkennung der Definition und Bedürfnisse der Betroffenen soll ihre Perspektive wahrgenommen und gestärkt werden. Dies bedeutet gleichzeitig auch eine politische Auseinandersetzung, um sexualisierte Gewalt als gesellschaftlich verankerte Praxis zu bekämpfen und den herrschenden „Normalzustand“, in dem die Interessen des Täters gestärkt werden, aufzubre­chen.
    Die Verantwortung liegt in der Szene und jeder/jedem Einzelnen, sich nicht nur mit abstrakten Parolen, sondern auch in konkreten Fällen wie dem hier beschriebenen eindeutig zu verhalten. Aus­schlaggebend ist, dass die Betroffene sich gerade in linken Räumen frei bewegen kann, was z.B. durch Hausverbote ermöglicht wird. Dazu gehört aber auch ein generell eindeutiger Umgang mit sexualisierter Gewalt, wozu auch das Rausschmeißen und Ausschließen von Menschen gehört, die sich sexistisch äußern und handeln (Anmache, grapschen, sich als Antifeministen bezeichnen). Nur so kann ein Klima geschaffen werden, in dem sich Betroffene ermutigt fühlen, sexualisierte Gewalt und Vergewaltigungen öffentlich zu machen im Ver­trauen, dass der Täter und nicht sie selbst die Konsequenzen zu tragen hat. Für einen weiteren Umgang mit dem Täter innerhalb der Szene setzen wir ein ernst gemeintes Eingeständnis und Anerkennen seiner Schuld voraus sowie den echten Willen, sich mit der eigenen Tat u.a. in einer Therapie auseinander zusetzen, um das eigene Ver­halten grundlegend zu reflektieren und zu verändern.
    In diesem konkreten Fall ist keinerlei erkennbare konstruktive Auseinandersetzung erfolgt. Stattdes­sen werden die betroffene Frau und ihr Um­feld in einem solchen Maß bedroht, dass sie sich nur noch sehr eingeschränkt bewegen können. Daraus resultieren für uns die Forderungen:
    Ziel ist, dass die betroffene Frau und ihr Umfeld sich wieder uneingeschränkt (d.h. ohne Anfeindungen, Bedrohungen oder sonstige Konfrontationen mit T. und seinem beteiligten Umfeld) in Hamburg bewegen können.
    Vor dem Hintergrund seines bisherigen Ver­haltens ist T.s Anwesenheit in politischen und subkulturellen Strukturen Hamburgs sowie im Lebensumfeld der Frau nicht tragbar.
    Wir werden außerdem nicht hinnehmen, dass eine aktive Unterstützung T.s durch Teile seines Umfelds fortgeführt wird, sei es in Provokationen, Drohungen, Beleidigun­gen und Aggressionen gegen X und ihr Umfeld sowie im Weitertragen der Täterversion der Geschichte.
    Es ist notwendig, T. und sich an Anfeindun­gen und Bedrohungen beteiligenden Personen aus seinem Umfeld keine Räume und Möglichkeiten zu bieten, ihr Bedrohungsszenario fortzusetzen, wozu Haus­verbote, Ausschlüsse oder offene Distanzierungen beitragen können.

    Wir sind erreichbar unter
    agunterstuetzung@gmx.net

    Hamburg, den 27. Juli 2007