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NACHBEREITUNG ZUM 1.MAI 2008 – …THE RHYTHM ATTACK.

Zu den Antifaschistischen Aktionen am 1. Mai, die sich nicht auf staatliche Stellen verlassen haben!
We‘re breaking the rules. Ignore the machine.

„Wir werden nicht akzeptieren, dass sich uns jemand in den Weg stellt!“ [a²]-Hamburg

Für den 1. Mai mobilisierten sog. „Freie Nationalisten“ und NPD bundesweit nach Hamburg-Barmbek, um den internationalen Kampftag der Arbeiter_innenklasse in ihrem Sinne umzudeuten und von Rechts zu besetzen. Dieser Versuch endete für sie, wie auch für die Hamburger Polizei in einem Fiasko. Auch wenn Nazis und Polizei, sowie eine reaktionäre Medienlandschaft dies umzudeuten versuchen, bestimmten die antifaschistischen Gegenaktivitäten, welche sich in einem breiten, sich ergänzenden Aktionsrahmen widerspiegelten, den Tag. Nazis und Polizei konnten lediglich in dem ihnen vom Protest vorgegebenen Rahmen agieren.

Die Nazis konnten weder auf der ihnen zugesagten Route noch zu ihrer anvisierten Startzeit marschieren. Außerdem konnten mindestens 200 Nazis aufgrund von polizeilichen, vor allem aber antifaschistischen Platzverweisen, den Kundgebungsort gar nicht erst erreichen. Die Nazis sind erst nach mehreren Stunden Stillstand an der Alten Wöhr mit massivstem Polizeieinsatz auf der kürzesten Route nach Hause geschickt worden. Während die Polizei am U/S-Bahnhof Ohlsdorf bemüht war, die Nazis schnellstmöglich in die Bahn zu bringen, wussten diese noch nicht, dass alle ihre Reisebusse bereits Glasbruch erlitten hatten und einige ihrer Autos in Flammen aufgegangen waren. Die defekten Busse hatten zu dem Zeitpunkt bereits ohne sie den Heimweg angetreten. Der Tag war für die Nazis alles, nur kein Erfolg!

Es gab viele Faktoren welche, sich ergänzend, den antifaschistischen Erfolg ermöglicht haben. Der Reihe nach…

Faktor 1:
Das Hamburger Bündnis gegen Rechts (HBgR) und autonome Antifaschist_innen mobilisierten ab Februar massiv zur antifaschistischen Bündnisdemo nach Hamburg-Barmbek. Während das HBgR und die Kampagne „Keine-Stimme-den-Nazis“ sich stark um die Mobilisierung im Stadtteil bemühten und einen Info Stand nach dem anderen, eine Veranstaltung nacheinander abhielten, konzentrierten sich autonome Gruppen vor allem auf die Mobilisierung autonomer Antifaschist_innen. Bereits Ende März war klar, daß die Demonstration wesentlich größer werden würde als alle antifaschistischen Demos der letzten Jahre. Es gab enorm viel Interesse und Zuspruch.

Faktor 2:
Die genauen Routen der beiden Demonstrationen standen bis Mitte der Woche vor dem 1. Mai noch nicht sicher fest. Die Innenbehörde bestätigte schließlich kurzfristig die Route der Nazis mitten durch Barmbek und verbot die antifaschistische Gegendemonstration. Dies bedeutete, dass Barmbek im Prinzip zu einer Art „polizeilich national befreiten Zone“ geworden wäre. Hinzu kamen die üblichen Hamburger Auflagen, zuzüglich einer neuen: Verbot des Mitführens von Glasflaschen. In Hamburg ist es üblich, dass die Polizei derart Auflagen und Verbote sehr kurzfristig rausgibt, damit eine erfolgreiche Klage dagegen nahezu unmöglich gemacht wird. Diese Verzögerungstaktik ging diesmal nach hinten los und war ausschlaggebend für das polizeiliche Versagen am 1. Mai. Das HBgR zog, von polizeilicher Seite unerwartet, bis zum Oberverwaltungsgericht (OVG). Dieses genehmigte die Route, welche die Naziroute kreuzte und hob Teile der Auflagen auf: das Flaschenverbot wurde gekippt und es durften in Hamburg erstmals seit Jahren wieder Seitentransparente über 1,50 m getragen werden.
Die Bullen hatten hierfür offensichtlich keinen Plan B.

Faktor 3:
Die antifaschistische Bündnidemonstration, welche sich um 10 Uhr am U/S Bahnhof Barmbek versammelte, stieg schnell auf eine Teilnehmer_innen Zahl von über 10.000 Menschen an. Allein der autonome Antifa Block war mit über 4000 Menschen präsent. Selbst wenn die Bullen ihre übliche Taktik hätten anwenden wollen (das Absperren ganzer Stadtteile), hätte dies aufgrund der Masse und der Entschlossenheit der Antifaschist_innen am 1. Mai nicht geklappt. Es waren lediglich 2500 Bullen im Einsatz. In Hamburg arbeiten die Bullen bei Demos jedoch seit der „Schill-Ära“ mit einem Betreuungsverhältnis von etwa 1:1 bei Demonstrationen. Sind sie in Unterzahl, sind sie überfordert. Ob diese Fehleinschätzung bei den Bullen oder dem VS lag, ist nicht klar – soll uns aber auch scheißegal sein!

Faktor 4:
Noch bevor sich die Demonstration in Bewegung setzte, waren Rauchschwaden am Horizont über Barmbek zu sehen. Ab dem Moment überschlugen sich die Ereignisse und die Polizei konnte lediglich Schadensbegrenzung betreiben.
Auf den Gleisen der S-Bahn brannten Barrikaden. Folge: der Strom musste abgestellt werden. Die Nazis, welche sich diesmal im Norden Hamburgs getroffen hatten, konnten nun nicht mehr mit der S-Bahn zu ihrem Kundgebungsort gelangen. Stattdessen machten sie sich zu Fuß auf den Weg, so dass eine geordnete und koordinierte Anreise im Sinne der Bullen nicht mehr möglich war. Dazu an späterer Stelle noch mehr.

Faktor 5:
Die Situation in Barmbek sah nun so aus, das überall Gruppen und Grüppchen von Nazis alleine versuchten den Kundgebungsort zu erreichen. Der Autonome Antifa Block hielt es in dieser Situation für falsch, weiter polizeibegleitet durch die Straßen geleitet zu werden. Dieser löste sich dementsprechend frühzeitig auf, um die Nazis auf eigene Art und Weise nach Hause zu schicken. Auch damit hatte die Polizei nicht gerechnet – Die Nazis auch nicht.

Faktor 6:
Die Bündnisdemo blockierte die Route der Nazis einige hundert Meter nach ihrem Startpunkt. Die Bewohner_innen des Stadtteils, die Menschen auf der Route der Nazis sowie in den anliegenden Straßen haben nicht nur dafür gesorgt, dass für Bullen und Nazis kein Durchkommen war, sie haben zudem Polizeikräfte gebunden. Militante, direkte antifaschistische Aktionen wurden dadurch unterstützt.

All diese Faktoren haben dazu geführt, dass
- die Naziroute, sowie die geplanten Ausweichrouten blockiert wurden;
- Polizeikräfte gebunden waren und damit die öffentliche Sicherheit im polizeilichen Sinne nicht mehr zu gewährleisten war;
- die Nazis ihr gewalttätiges Gebaren, jenseits von bürgerlichem Auftreten zeigten;

…die Bullen keine andere Möglichkeit sahen, als die Nazis zum nächstgelegenen, funktionstüchtigen U/S-Bahnhof durchzuprügeln!

Das ist kein Sieg der Nazis und kann schon gar nicht mit „Der nationale Widerstand kämpfte sich erfolgreich durch Barmbek!“, wie in der Nachbereitung der Nazis geschehen, betitelt werden.

Was (für Hamburg) ungewohnt war…
By the way, how much is the fish?!!

Für die Hamburger Öffentlichkeit, für die Medien aber auch für viele Antifaschist_innen gab es einige neue Erfahrungen am 1. Mai.
Im Mittelpunkt vieler Diskussionen steht zunächst der „Schwarze Block“ der sogenannten „Autonomen Nationalisten“. Dieser ist in der Form in Hamburg zum ersten Mal in Erscheinung getreten. Bundesweit ist dieses Phänomen nicht neu. Vor allem im Ruhrpott ist dieser Trend massiv zu erkennen. Auch für die Polizei sollte dies keine Überraschung gewesen sein. In diversen Internetforen der Nazis war das für den 1. Mai zu erwartende Klientel nachzuvollziehen – so wurde z.B. deutlich angekündigt es werde „der militante Kern“ nach Hamburg reisen.

Diese angekündigte Gewalttätigkeit der Nazis war schließlich das nächste Phänomen. Auch dies ist nicht neu: Nazis sind stets gewalttätig! In den letzten Jahren gaben sie sich auf ihren Aufmärschen meist einen legalistischen Anstrich, um „Bürgernähe“ zu suggerieren und möglicher Repression aus dem Weg zu gehen. Aber allein schon ihr dort vertretenes Menschenbild macht sie, wenn auch nur verbal, gewalttätig. Außerhalb von Demonstrationen sind sie stets gewalttätig – das darf nicht vergessen werden!

Das gewalttätige Auftreten der Nazis lag unserer Einschätzung nach vor allem auch daran, dass sie geschlossen und aufmarschähnlich, ohne einschränkende Begleitung durch Bullen oder Protest, den Weg Richtung Barmbek antreten konnten. Für das kollektive Gefühl von Stärke in Kombination mit der damit verbundenen Eigendynamik war dieses Erlebnis mit Sicherheit ein enormer Auftrieb, welcher zu einer maßlosen Selbstüberschätzung geführt hat. Anders sind die Bewertungen, der 1. Mai sei ein Erfolg gewesen, nicht nachzuvollziehen.

In Bezug auf Gegenaktivitäten muss unsererseits darüber diskutiert werden, wie mit einem veränderten Auftreten der Nazis umgegangen wird. Wir als Antifaschist_innen können langfristig nicht die bisherigen Strategien fahren, wenn die Nazis ihre ändern.

Ein weiterer öffentlicher Diskussionspunkt war die Militanz von antifaschistischer Seite. Im Zuge direkter, militanter Aktionen sind mehrere Busse und Autos von Nazis angegriffen und teilweise vollkommen zerstört worden. Auch Polizeiwagen und weitere Müllbehälter wurden zerstört.

In der Medienberichterstattung wurden viele Dinge (bewusst) verschwiegen oder verdreht:
- aus brennenden Nazi-Karosserien wurden Autos von Stadtparkbesucher_innen
- Im Stadtpark soll ein Café von Antifas verwüstet worden sein. Obwohl sich schnell herausstellte, dass dies gelogen war, wurde es weiter in der Presse propagiert.
- Desweiteren soll ein Krankenhaus von Antifas „gestürmt“ worden sein. Auch das stimmt so nicht. Als die Polizei den Nazis die Straße frei prügelte, wurden einige Antifaschist_innen auf das Gelände eines Krankenhauses gejagt. Hierbei versuchten einige der Ingewahrsamnahme und vor allem den Schlägen der Bullen zu entkommen.

Im Nachhinein lässt sich festhalten, dass die Militanz überwiegend gezielt ausgerichtet war und nicht das Ziel hatte, unbeteiligte Menschen persönlich zu schädigen. Ohne militante Aktionen wäre aus antifaschistischer Sicht der Tag nicht so erfolgreich verlaufen!
Eine positive Darstellung des militanten Antifaschismus in öffentlichen Medien ist selbstverständlich nicht zu erwarten. Tut auch keiner! Dennoch täten diejenigen, welche Militanz als ihr Aktionsfeld nutzen, gut daran, sich mit der Vermittlung und Vermittelbarkeit ihrer Aktionen zu beschäftigen. Gerade im Bezug auf die ausgewählten Objekte und politischen Ziele.

zu guter letzt…
I want you back for the rhythm-attack. Get down in full effect!

Dass der 1. Mai in Hamburg ein Erfolg antifaschistischer Mobilisierung war, wurde bereits gesagt, kann hier aber gerne nochmal wiederholt werden: Die Nazis waren und sind in Barmbek unerwünscht! Ihnen wurde auf breiter Ebene Ablehnung entgegengebracht. Durch eine antifaschistische Mobilisierung, wenn auch als Reaktion auf einen Naziaufmarsch, hat man die Möglichkeit die Anwohner_innen der betreffenden Gegend gegen Naziaktivitäten und die Inhalte der Nazis zu sensibilisieren. Dies ist in Barmbek hervorragend gelungen!
Aus linksradikaler Sicht gibt es viel Diskussionsstoff für die Zukunft. Eine „Volksfront“ gegen Nazis, welche keinerlei emanzipatorischen Ziele verfolgt, kann nicht unser Ziel sein. Bei nahezu jeder antifaschistischen Demonstration stehen wir zusammen mit politischen Kräften, mit welchen wir nur geringe politische Schnittmengen haben.
Dennoch: Solidarität auf der Basis eines antifaschistischen Grundkonsens ist uns wichtig und nicht zu vergleichen mit dem inhaltslosen Hinterherlaufen hinter einem undefinierten, ausgrenzenden, diskriminierenden Gemeinschaftsgefühl.

KLASSENKAMPF statt „Volksgemeinschaft“!

Danke an alle die mit uns auf der Straße waren! Vor allem an alle Nicht-Hamburger_innen, die den weiten Weg auf sich genommen haben!

Danke! Transforming the tunes we need your support!

[a²]-Hamburg, Mai 2008

LISA POLITT – ANTIFA SOLI – 1.6. ROTE FLORA – HH

Gott der Herr hat 7 Zähne
von der Überlegenheit der westlichen Zivilisation –Ein Kabarett- Solo von und mit Lisa Politt

Präsentiert von [a²]-Hamburg

Kein Zweifel: Aus Frau Dr. Semisch- Brendel hätte etwas ganz Großes werden
können. Und wenn Portzner ihr damals an der Uni den Forschungsauftrag nicht vor
der Nase weggeschnappt hätte, dann hätte das mit ihrer Karriere auch sicher
geklappt. – Nicht, dass sie heute unzufrieden wäre: Ihre Familie erfüllt sie
mit privatem Glück, und ihre Seminare für einbürgerungswillige Ausländer
erfüllen sie sogar mit dem sicheren Gefühl, einer sinnvollen Tätigkeit
nachzugehen. Nur Mitmenschen mit eindeutig böser Absicht können behaupten, sie
würde den Frust über ihren eigenen Misserfolg an ihren Schülern auslassen. Als
Soziologin freut sie sich natürlich mehr auf die Vermittlung der deutschen
Kultur und Werteordnung als auf den Sprachunterricht. Gerade als als sogenannte
Alt- 68erin, die die linken Hirngespinste ihrer Generation heute als Irrweg
erkannt hat, weiß sie, dass an den alten Werten eben doch etwas dran ist.
Deswegen muss sie sich auch nicht verstellen, wenn sie diese Werte an ihre
Kursteilnehmer vermittelt – sie ist, wenn auch nicht unkritisch, im Großen und
Ganzen von ihnen überzeugt. Und sie ist überzeugt davon, dass sie mit ihrer
inneren Haltung, ihrem lockeren Umgangston und ihrer engagierten und
zupackenden Art zu den beliebtesten Lehrern des Kollegiums gehört. Als ihr die
Zunge vom Raki des Kursteilnehmers Murat gelockert wird, der Geburtstag hat, da
kommen Dinge zutage, die sie unter normalen Umständen wohl so nie geäußert
hätte…

Musikalische Mitarbeit: Jo Jacobs und Gunter Schmidt

Für den 1.Mai kündigten sog. „Freie Kameradschaften“ und andere Nazis eine
Großdemonstration in Hamburg an. Um diese nicht unwidersprochen stattfinden zu
lassen gab es eine bundesweite, antifaschistische Mobilisierung zu
Gegenaktivitäten. Die Einnahmen dieser Veranstaltung gehen in die Deckung der
hierbei angefallenen Kosten.

Solidarität kann auch Spaß machen!

1.6.08 Einlass 19 Uhr / Beginn 20 Uhr ROTE FLORA -Achidi John Platz 1 / 20357 HH


ANTIFA CAFE HAMBURG – JUNI – 1.MAI NACHBEREITUNG

Nachbereitungsveranstaltung zu den antifaschistischen Aktivitäten am 1. Mai in Hamburg-Barmbek.

Wir erinnern uns:
Am 1. Mai marschierten etwa 1000 Nazis von NPD, „Freien Kameradschaften“ und so genannten Autonomen Nationalisten, eine durch die Polizei freigeräumte Route durch Barmbek und trafen dabei auf vielfältigen antifaschistischen Protest.

„Randale gegen Rechts“ (Welt Kompakt), „Hier lodert der Hass“ (mopo) oder „Straßenkrieg der Extremisten“ (Zeit Online) waren die Schlagzeilen zu diesem Tag.

Unabhängig von sensationsgeilem Boulevardjournalismus wollen wir eine Nachbetrachtung der Ereignisse vom 1. Mai vorstellen. VertreterInnen autonomer antifaschistischer Gruppen und vom Hamburger Bündnis gegen Rechts (HBgR) werden auf dieser Veranstaltung eine politische Einschätzung des Tages geben. Hierfür und für eine anschließende Diskussion laden wir alle interessierten AntifaschistInnen herzlich ein.

Fr. 6.6.08 – ab 19 Uhr – Hafenvokü – Hamburg – St. Pauli


http://antifahamburg.blogsport.de/